Portale - Integration von Anwendungen.

Bewertung von Integrations-Methoden für Portale

Portale ermöglichen idealerweise die Integration von Anwendungen: man spricht auch von Integration der Benutzerschnittstelle. Im letzten Jahrzehnt haben sich verschiedene Techniken herausgebildet, mit denen heutzutage Anwendungen in Portale integriert werden können. Je nachdem, wie viel man an den existierenden Anwendung ändern möchte (oder kann) und je nach Tiefe der gewünschten Integration lassen sich passende Integrationsmethoden den verschiedenen Typen der Anwendungen zuordnen.

Die folgende Tabelle versucht eine Bewertung einer Auswahl von Integrations-Methoden bei Portalen. „IFrame" und „Portlet" sind sicherlich selbsterklärend. „Widget" steht für leichtgewichtige Portlet-artige Techniken, wie sie zum Beispiel in Open Social oder iGoogle zu sehen sind. Die Methode „Web Clipping" ist manchmal auch als „Proxy" bekannt. „RDP" steht stellvertretend für Methoden, die die GUI einer Anwendung grafisch auf einem entfernten System darstellen (wie es zum Beispiel auch Citrix macht).

 

Portale Integrations Methoden

Abbildung 1: Bewertung der Integrationsmethoden

 

Aber wann ist eine Integration von Anwendungen „vorteilhaft"? Für den Fall von Portalen mit „GUI-Integration" lassen sich die folgenden Aspekte unterscheiden, anhand derer man die Qualität der Integration bewerten kann:

  • Tiefe der GUI-Integration in Portalen: Je besser eine Integrations-Methode hier abschneidet, um so mehr erscheint die Gesamtoberfläche hinterher aus einem Guss. Mit einem IFrame ist dies naturgemäß schwierig, da der IFrame als eine Art „virtueller Browser" eine separate Webanwendung darstellt, die nicht mit dem Rest der Seite interagiert. Auch das Design (also z.B. Farbe und Form der GUI-Elemente) lässt sich nicht beeinflussen.
  • Tiefe der Logik-Integration in Portalen: Wenn man mehrere Anwendungen zusammenbringt, haben diese meist auch einen fachlichen Zusammenhang (stellen z.B. verschiedene Schritte eines Workflows dar). Hier ist es sinnvoll, einen Datenaustausch und eine Kommunikation zwischen den verschiedenen Anwendungen zu ermöglichen. Bei diesem Punkt schneidet wiederum der IFrame schlecht ab: die Anwendungen stehen vollständig separat nebeneinander. Auch RDP bietet hier keine Vorteile, da lediglich ein „Bild" der remote GUI in die Portalseite eingeblendet wird. Ein Portlet auf der anderen Seite ermöglicht vollständige Interaktion, sowohl im Presentation Layer (Portlet 2.0) oder auch durch die „dahinter" liegenden Java-Klassen, die zusammen im gemeinsamen Container laufen. Hier gibt es aber ein Caveat: Um die Geschäftslogik wartbar zu halten, sollte sie an einer Stelle zentralisiert sein – und nicht verteilt im Portal. Daher sollte man sich genau überlegen, welche Art der Interaktion man wirklich im Portal (bzw. auf Portlet-Ebene) und welche man in den Anwendungen selbst implementieren will.
  • Aufwand für die Integration in Portale: Bei diesem Punkt sind die Unterschiede besonders groß. Ein IFrame liegt am unteren Ende der Skala: der Aufwand ist minimal. Das andere Extrem stellt ein Portlet dar, weil dafür letztlich eine Neuimplementierung der GUI (oder Teile der GUI) notwendig ist.

Obwohl sich weitere (nicht immer vollständig orthogonale) Kriterien zur Bewertung von Integrations-Methoden finden lassen, sind diese drei die wichtigsten. Dadurch erklärt sich jetzt auch die Bewertung in der obigen Tabelle: Einen Fat Client in eine Portlet-Anwendung umzubauen käme eine Neuimplementierung gleich. Daher ist der Aufwand dafür extrem hoch – ein Grund, warum diese Integrations-Methode für Fat Clients keinen Stern erhält. Für Neue Java JEE Webanwendungen ist das Portlet jedoch die Methode der Wahl, während für Legacy Webanwendungen (die man manchmal auch gar nicht ändern kann) kann aber ein IFrame sinnvoller sein.

 

Migrationsstrategien mit Integrations-Methoden auf Portalebene

Wegen des mit der Integration verbundenen Aufwands und weil Änderungen an Anwendungen innerhalb der Portale manchmal technisch oder rechtlich gar nicht möglich sind, ist auch heute noch der IFrame die bei weitem beliebteste Integrations-Methode. Es gibt allerdings tief greifende Nachteile, wie z.B. die Gefahr des Sessionverlusts beim Neuladen der Seite oder die Problematik mit nicht synchronisierten Timeouts.

Trotzdem hat der IFrame immer noch seine Berechtigung, vor allem als Migrationspfad hin zu einer späteren, tieferen Integration in Portalen. Betrachtet man wieder unterschiedliche Typen von Anwendungen, kann man die jeweils möglichen Integrations-Methoden als Migrationspfade hin zu einer tieferen Integration auffassen. D.h. man kann mit „einfachen" Methoden beginnen und dann in späteren Releases die Tiefe der Integration steigern. In unserer Tabelle wandern wir dann von „wenigen" Sterchen zu „vielen" Sternchen. Die folgende Tabelle zeigt beispielhafte Migrationspfade für Legacy- und Host-Anwendungen.

 

Migrationsstrategien mit Integrationsmethoden

Abbildung 2: Migrationsstrategien mit Integrationsmethoden