Agon Newsletter 03 / 2014.

Zurück

Agon Solutions auf der JavaZone 2014

JavaZone ist die größte Entwickler-Konferenz Skandinaviens mit einem klaren Fokus auf Java- und Web-Entwicklung sowie Software-Architektur. Vom 09. bis zum 11. September kamen dieses Jahr mehr als 2.500 Entwickler und Architekten nach Oslo. Die Konferenz wird von der norwegischen Java User Group organisiert und ist daher vergleichsweise günstig und kann sich auf Inhalte statt auf Buzz Words konzentrieren.

Mitarbeiter der Agon Solutions besuchen regelmäßig Konferenzen, darunter Devoxx (Antwerpen), JavaLand (Köln) und Jax (Mainz). Dies ist ein wesentlicher Bestandteil der Weiterbildungsstrategie, zu der auch technische und methodische Schulungen, Soft Skill Trainings und interne Code Camps zählen. Konferenzen ermöglichen es, die aktuellen Entwicklungen sowohl im Business als auch im universitären Bereich zu verfolgen, den eigenen Horizont zu erweitern und über den Tellerrand zu schauen.

Im Vergleich zu anderen Konferenzen hat JavaZone weniger hochkarätige Sponsoren (wie Google oder Microsoft). Dies hat aber den positiven Effekt, dass kaum Marketing-Vorträge zu Produkten und Weiterentwicklungen von Frameworks gehalten werden. Bei der JavaZone überwiegen insgesamt Erfahrungsberichte aus Projekten (z.B. zu neo4j, einer Graphendatenbank oder Cassandra, einer NoSQL Datenbank) und Vorträge zu den Themen Architektur und Softwareprozess. Leider sind immer noch ca. 20% der Vorträge auf Norwegisch und das sollte bei einer international ausgerichteten Konferenz vermieden werden. Aber durch die Auswahl mehrerer Parallelvorträge, kann diesem Problem aus dem Wege gegangen werden. Leider gibt es keine expliziten Keynotes und neben der Begrüßung keine Vorträge, die alle Teilnehmer einbeziehen, so dass im Vergleich zu anderen Konferenzen weniger Community-Gefühl aufkommt. Auch vermisst man im Vergleich z.B. zur Devoxx Fokusthemen, die der Veranstaltung bereits eine gewisse Grundstimmung mitgeben. Es ist sehr angenehm, dass die JavaZone nicht zu überlaufen ist, und man keine Probleme hat, sich seine Lieblingsvorträge live anzuschauen. Insgesamt ist die Veranstaltung sehr gut organisiert, hat einen hohen Anteil sehr qualitativer und interessanter Vorträge und kann zusätzlich mit der wohl besten Verpflegung einer Java-Konferenz punkten. Tatsächlich kann der Besucher von morgens um 10 Uhr bis abends um 18 Uhr ohne Pause essen und trinken, ohne dass es langweilig wird. Abgerundet wird die Konferenz durch die AweZone, der Abendveranstaltung im Rockefeller Center, bei der die Besucher bei Livemusik und Freibier den Tag ausklingen lassen können.

AweZone im Rockefeller Center Oslo (on stage: Comet Kid)

Im Themenfeld Architektur hielt  Neal Ford den herausragenden Vortrag „Continuous Delivery for Architects". Hier ging es, wie auch in vielen anderen Sessions, um Microservice-Architekturen, die er mit Domain-Driven Design zu entwickeln empfiehlt. Ford stellte Best Practices und Leitlinien vor („prefer rest over soap"), die im Kontext eines solchen Ansatzes zu wählen sind. Dabei bleibt er selbstkritisch, z.B. mit dem Slogan: „Yesterday‘s best practice is tomorrow's anti-pattern.". Insgesamt schaute er bewusst aus Betriebssicht auf die Architektur („architecture remains abstract until operationalized"), woraus er einen starken Appell für DevOps ableitete.

Neil Ford über Continuous Delivery for Architects

Ebenfalls sehr gehaltvoll war der Vortrag von Kent Beck „Software Design: the why, when and how". Er gibt dort eine Definition von Architektur, nämlich „software design is beneficially relating elements" (s. http://www.threeriversinstitute.org/blog/?p=111), wobei er ausführlich erläutert, was er unter jedem dieser Begriffe versteht. Im Weiteren führt er viele Einflussfaktoren auf, die bei der Architekturentwicklung zu berücksichtigen sind. Er warnt aber davor, zu fest an diesen festzuhalten: „software design does not lend itself to simplistic rules", d.h. es muss individuell in jedem Projekt entschieden werden, ob bestimmte Best Practices anwendbar sind. Kent Beck appellierte daher an alle Architekten, Entscheidungen nicht zu früh zu treffen, sondern Geduld zu üben und Änderungen zu vertagen, damit keine zu frühzeitigen Optimierungen erfolgen oder Fehlentscheidungen getroffen werden.

Kent Beck auf der JavaZone

Ein weiteres Kernthema war das Tool „Docker", das zurzeit auch die Themenkataloge der Fachzeitschriften anführt. Schon die erste Session widmete sich diesem Thema. Docker ist eine Linux-basierte Container-Technologie, mit der man verteilte Anwendungen bauen, ausliefern und ausführen kann. Damit können erstmals Software-Module vollständig isoliert auf beliebigen Betriebssystemen ausgeführt werden. Gerade für die Erstellung hochmodularer Systeme und der schon oben angesprochenen Microservice-Architekturen kann Docker einen Durchbruch bedeuten.

Der Besuch der JavaZone war inspirierend und lehrreich und ist somit empfehlenswert. Andere Konferenzen bieten zwar höhere Vortragsdichte (z.B. Devoxx), sind aber häufig zu voll und nicht so gut organisiert. Wer eine Auffrischung für seine Java- und Architekturskills benötigt, ist dort auf alle Fälle gut aufgehoben.