Agon Newsletter Ausgabe 03 / 2013.

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Warum wir eine Architektur Community brauchen

Software Architektur und Enterprise Architektur sind ein komplexes Feld. Der Architekt hat es nicht nur mit einem sehr umfangreichen Katalog an fachlichen und technischen Themen zu tun. Zusätzlich muss er selbst viele persönliche Eigenschaften mitbringen, die vor allem auf dem Gebiet der Kommunikation und der Lösungsorientierung liegen (s. hierzu z.B. die Artikelserie „Knigge für Software Architekten" im Java Magazin). Die Kombination stellt eine echte Herausforderung für den Architekten dar.

Als „Diener vieler Herren" ist der Architekt zudem eingezwängt zwischen verschiedenen Interessengruppen: Die Entwickler möchten eine spannende Architektur, die leicht umzusetzen ist. Die Projektleiter und Fachbereiche möchten möglichst wenig Störung in ihrem Projekt. Und das Management verlangt Kontrolle und Transparenz über alle Projekte bei zeitgleich minimalem Time-to-Market.

Darüber hinaus ist der Architekt in einem Vicious Circle (s. Abbildung 1) der besonderen Art gefangen: um effektive Resultate zu erarbeiten muss er frühzeitig eingebunden werden und bereits mit einem „Werkzeugkasten" bei Start eines neuen Projekten auftauchen. Gleichzeitig erfordern aktuelle und dringende Projekte unmittelbare Reaktionen und Unterstützungen, so dass er nicht dazu kommt, an seinem Werkzeugkasten und an der Vorbereitung für zukünftige Projekte zu arbeiten. Das wiederum führt dazu, dass er nie so effektiv die Projekte unterstützen kann, wie er eigentlich möchte...

       

Abbildung 1 Vicious Circle der Architekten

Trotz aller dieser Herausforderungen ist es unstrittig, dass Architektur für ein modernes Unternehmen einen wesentlichen Erfolgsfaktor darstellt. Die oben beschriebenen Probleme sind dennoch real und nicht von der Hand zu weisen. Und vor allem: sie treten in allen Firmen und Branchen beinahe identisch auf, denn sie sind inhärent mit der Aufgabe der Architekten und ihrer Position im Unternehmen verbunden.

An dieser Stelle kommt nun die Community ins Spiel: sie ermöglicht einen offenen und von aktuellen Projektzwängen entkoppelten Austausch zwischen Architekten unterschiedlicher Unternehmen. Der erste Benefit ist, dass man erkennt, dass die Hindernisse in allen Unternehmen existieren, und nicht an persönlichen Fehlern der Architekten liegen. In jedem einzelnen Problemfeld gibt es zudem Firmen, die dort bereits weiter sind als andere, bzw. eine bestimmte Problemlösungsstrategie bereits erprobt haben. Unabhängig davon, ob die Strategie erfolgreich war oder nicht, kann ein Austausch helfen, Fehler zu vermeiden und neue Ansätze zu verfolgen. Es geht also darum, das Qualitätsniveau bei der Überwindung der oben beschriebenen Herausforderungen insgesamt anzuheben, indem man voneinander lernt.

Aufgrund der ökonomischen Besonderheiten der verschiedenen Branchen treten bestimmte Fragestellungen in unterschiedlicher Dringlichkeit und somit in verschiedener Geschwindigkeit zutage. Typischerweise befasst sich beispielsweise eine Airline früher mit Mobilen Technologien als eine Bank, während das Thema Big Data früher in der Finanzwirtschaft als in der Touristik an Bedeutung gewinnt. Diese Ungleichheit ist auch eine Chance: Erfahrungen, die in einer Vorreiterbranche bereits gemacht wurden, können helfen, an anderer Stelle Fehler zu vermeiden und neuen Technologien und Methoden so schneller und gradliniger zu integrieren. Für bestimmte Themen mag sogar gelten, dass die Erfahrungen anderer Unternehmen von einer Einführung abraten, so dass Ressourcen für andere Aufgaben frei werden. Auch diesen Lernprozess kann eine Community effektiv unterstützen.

Da Architekten schon durch ihre Rolle nicht ausreichend Zeit haben, muss dieser Lernprozess effizient organisiert und mit einem Minimum an Vorbereitung und Zeitaufwand durchführbar sein. Dazu eignet sich das Format einer Community am besten, d.h. man trifft sich in regelmäßigen Abständen und berichtet über Ansätze und Fortschritte bei relevanten Themen. Um effektiv zu sein, muss eine solche Community gesteuert werden, d.h. die Meetings müssen mit einer geplanten Agenda versehen sein und entsprechend vorbereitet werden. Zudem müssen die Themenfelder abgestimmt und vorausgeplant werden. Eine solche Steuerung ist wichtig, denn niemand hat etwas davon, stundenlang über das Tagesgeschäft des jeweils anderen zu plaudern.  Zudem kann eine Community dabei helfen, weitere Kontakte zu knüpfen und so an Informationen und Verbindungen zu kommen, die allein nur schwer zu erhalten sind. Ein für bestimmte Themen bekannter Professor oder Spezialist wird auf die Einladung einer Community eher antworten und daran teilnehmen – ob er in eine Abteilung eines Unternehmens kommt, ist hingegen fraglich.

Schließlich ist auch die Überwindung des Elfenbeinturms ein Ergebnis einer Community. Aufgrund der oben genannten Herausforderungen entfernen sich Enterprise Architekten naturgemäß von der konkreten Implementierungsarbeit. Das ist nicht (vollständig) zu vermeiden. Kreist man aber immer nur um sich selbst und tauscht sich nur in einem kleinen, internen Team aus, tritt schnell der Effekt des „Elfenbeinturm" auf: die Entscheidungen und Vorgaben der Enterprise Architektur entfremden sich von den konkreten Bedarfen der Projekte und werden eher hinderlich als hilfreich. Der Austausch innerhalb einer Community kann auch hier Linderung bringen, denn sie erweitert den persönlichen Horizont.

       

Abbildung 2 Mehrwert einer Community

Tatsächlich gibt es im Rhein-Main-Gebiet die Community Enterprise Architektur seit Ende 2012.  Aus der Taufe gehoben von Architekten der Lufthansa und von Agon Solutions trifft sich die Gruppe alle 3 Monate zu einem zweistündigen Meeting.

 
 

Der aktuelle Themenkatalog umfasst u.a. die folgenden Punkte:

  • Komplexitätsmanagement / -messungen
  • Software Development Governance
  • Architektur Governance
  • Architektur und Agile Methoden
  • Einführungsstrategie von EAM
  • Tools und Werkzeuge
  • Methoden und Verfahren zur Architekturbewertung
  • Relevante Technologien wie Responsive Design und HTML5

 

Die Community steht allen betroffenen und interessierten Architekten offen. Sollten Sie neugierig sein, können Sie sich gerne an  juri.urbainczyk@agon-solutions.de wenden.