Herausforderungen agil annehmen: Banken im Wandel

Eschborn, 19.01.2016

Es ist kein Geheimnis, dass die Bankenbranche von verschiedenen Seiten unter Druck steht. Für die IT sind die umfangreichen Reportingpflichten, wie sie sich beispielsweise aus der MiFID II-Richtlinie ergeben, eine so gewaltige Aufgabe, dass sogar das Inkrafttreten der genannten Regelungen aller Voraussicht nach um ein Jahr auf den 1.1.2018 verschoben werden muss. Angesichts der zu bewältigenden Großprojekte gerät leicht aus dem Fokus, dass mit aufstrebenden, Fintechs genannten und IT-zentrierten Unternehmen den Banken eine strategische Herausforderung erwächst, die auf Dauer ihr Kerngeschäftsmodell bedrohen kann.

In diesem Kontext erscheint ein auf der diesjährigen Java-Entwicklerkonferenz Devoxx gehaltener Vortrag bemerkenswert. Unter dem etwas umständlich und recht technisch klingenden Titel "Architecting for an Agile Journey that is as good as the End" präsentierte Andrei Ilchenko (Chief Architect Retail Banking Benelux at ING) nicht weniger als die Beschreibung des Komplettumbaus seiner Bank, der ING. So gesehen wären eigentlich Manager und andere Entscheidungsträger das prädestinierte Publikum gewesen. Trotzdem war es natürlich auch für die versammelten Entwickler von Interesse, zu sehen, wie die ihnen vertrauten Methoden in größerem Rahmen verwendet werden können und wie ihre (der Entwickler) Bedeutung für die Wertschöpfung und Weiterentwicklung des Unternehmens wachsende Anerkennung erfährt. Denn das war eine der Leitlinien des Umbaus: Die IT ist ein wesentlicher Teil des Geschäftsprozesses und wichtiger Träger von Innovationen. Sie wird aus der Rolle des Dienstleisters herausgeholt und als Teil der Fachlichkeit begriffen, mit allen Konsequenzen einschließlich Vergütung und möglicher Karrierepfade.

Diesem radikalen Schritt liegt die Erkenntnis zu Grunde, dass die Fintechs durchaus das Potential für einen disruptiven Wandel haben. Um dem zu begegnen, muss man die entscheidenden Triebkräfte erkennen und verstehen. Und da zeigt sich bei all den Unternehmen, die die Märkte – ganz gleich ob Suchmaschinen, soziale Kontakte oder Versandhandel – verändert haben: Ihr Geschäftsmodell ist technologisch getrieben, Innovationen kommen vor allem aus der IT. In diesem Licht ist der Ansatz der ING gar nicht mehr so radikal, sondern eher konsequent. Man kann das als entschlossenen Versuch sehen, den aufscheinenden Herausforderungen Paroli zu bieten und das Feld nicht kampflos zu räumen. Und neben diesem deutlichen Signal an die Fintechs, die ja möglicherweise auch den einen oder anderen Vertreter auf eine solche Konferenz schicken, ist das eine Ansage an den Wettbewerb.

Der komplette Vortrag findet sich unter dem oben angeführten Link. Für alle im Bankenumfeld Tätigen oder an der Zukunft der Banken Interessierten bietet sich zumindest Stoff für Diskussionen. Wer die erforderliche dreiviertel Stunde nicht aufbringen kann, sollte wenigstens durch die Folien klicken. Denn es ist völlig klar: Die Herausforderungen für die Banken sind groß, und die Zeit läuft bereits.

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Nicole Heyne
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