Eindrücke von der Devoxx 2013

Eschborn, 25.11.2013

Es ist fast schon Tradition geworden, dass sich Mitte November vier Agonauten auf den Weg nach Antwerpen machen, um beim großen Treffen der Java- und Web-Community dabei zu sein. Die Devoxx 2013 fand vom 13. bis zum 15. November statt und die Zahl der Teilnehmer schien nochmals gewachsen zu sein. Der Andrang zu den Sessions beginnt das akzeptable Maß zu überschreiten und die Schlangen vor den Verpflegungsständen – auf die man mangels Alternativen im Umkreis des Tagungsorts angewiesen ist – waren deprimierend lang.

 

Agonauten auf der Devoxx

Insgesamt gesehen war die Stimmung eher verhalten. Die Hypes der vergangenen Jahre sind im Alltag angekommen oder vergessen, neue nicht in Sicht. Dementsprechend fehlten echte Höhepunkte und große Namen.

Mit einem ungewöhnlich zurückhaltenden Auftritt überraschte Microsoft. Obwohl sie einer der vier Hauptsponsoren (neben Oracle, Google und RedHat) waren, lieferten sie keinen einzigen Beitrag und beschränkten sich auf einen wenig beeindruckenden Info-Stand zu Windows-Azure (Cloud-Computing).

Java scheint derweil bei Oracle angekommen zu sein. Ohne überbordenden Enthusiasmus läuft die Entwicklung wieder im gewohnten Tempo. Mehrere Vorträge befassten sich mit den neuen Features von Java 8 und JEE 7. Dazu gehörte als Dauerbrenner „Jigsaw", ein Versuch zur Modularisierung der Java-Plattform. Sollte dieses Projekt wirklich Bestandteil der Auslieferung werden, müssen Anwendungen, die inoffizielle Schnittstellen (com.sun.*-Packages) benutzen, überarbeitet werden.

Ein Trend, der sich in mehreren Sessions zeigte, ist der zur deklarativen oder funktionalen Programmierung. Statt wie herkömmlich das „Wie", soll nur noch das „Was" beschrieben werden. Programme werden dadurch kürzer und -hoffentlich- leichter verständlich. Letzteres ist wichtig, denn „reading code is more important than writing code" (Brian Goetz). Beispiele für diesen Trend sind die zunehmende Verwendung von Annotationen und die Lambda-Notation (nicht nur in Java). Die Programmierung verliert damit allerdings Einfluss auf das Laufzeitverhalten. Unterschiedliche JVM-Versionen können beispielsweise zu überraschenden Differenzen führen. Man darf gespannt sein, inwieweit diese Unbestimmtheit von den Anwendern akzeptiert werden wird.

Funktionaler Code ist nicht nur leichter lesbar, sondern auch einfacher parallelisierbar. Dieses Argument war oft zu hören, wenn die Vorteile des Lambda-Stils demonstriert wurden. Die für Java 8 angekündigte neue Stream-Bibliothek soll ebenfalls parallele Programmierung erleichtern. In Zeiten von Multicore-Prozessoren ist das ein interessanter Aspekt – im Prinzip. Tatsächlich werden dabei die Kosten der Parallelisierung unterschätzt und der erreichbare Nutzen weit überschätzt.

Für alle an Performance-Fragen Interessierten gab es einen sehr instruktiven Vortrag von Aleksey Shipilev unter dem vielsagenden Titel „Java Microbenchmark Harness: The Lesser of Two Evils". Um zu demonstrieren, wie schwierig diese Messungen sind, zeigte er ein Beispiel, bei dem selbst Googles Benchmarking-Framework caliper versagt. Trotzdem, das schlimmere der beiden Übel sei es, gar nicht zu messen.

Google nutzte die Devoxx, um die Freigabe von Dart 1.0 bekanntzugeben, was auf freundliches Interesse stieß. Diese Skriptsprache ist als moderne Alternative zu JavaScript gedacht. Wesentlich größeren Zuspruch fanden allerdings die Google Glass-Session und Ludovic Champenois' ausgezeichneten Erläuterungen zur Weiterentwicklung der Google App Engine.

Aus dem Umfeld der Firma JClarity wurden in zwei Beiträgen interessante Praxiserfahrungen zu methodischen Fragen präsentiert. Und schließlich konnten die Bastler unter den Teilnehmern nicht nur vom Raspberry Pi hören, sondern an einem Stand gleich komplette Bausätze erwerben.

Insgesamt gesehen ist die Devoxx immer noch eine hervorragende Konferenz. Nicht zu übersehen ist jedoch die Gefahr, dass sie ihren Fokus verliert. Der Kreis der unter Java und Web fallenden Themen wächst weiter. Es ist für die Organisatoren nicht einfach, zentrale und übergreifende Aspekte zu identifizieren. Bei sieben parallelen Tracks bleibt zwangsläufig jede Sicht fragmentarisch. Deshalb sollen noch vor Weihnachten alle Vorträge unter www.parleys.com (für Nichtteilnehmer gegen Bezahlung) abrufbar sein. Die Vorträge der vorangegangenen Konferenzen sind frei zugänglich.

 

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Nicole Heyne
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