BPMN – Business Process Modeling and Notation

Einführung in die wesentlichen Inhalte des Business Process Modeling and Notation, Überblick und Vergleich verschiedener Open Source Frameworks und Vorgehensweise im Geschäftsprozessmanagement.

In Zeiten sich ständig ändernder Wettbewerbsbedingungen in Form von beispielsweise gesetzlicher Randbedingungen, steigender Anzahl an Mitbewerbern, sinkender Prozessdurchlaufzeiten und steigender Prozessqualität müssen Unternehmen ihre internen Prozesse permanent optimieren und anpassen. Eine entsprechende Notation des Geschäftsprozessmanagements (Business Process Management (BPM)) ist da hilfreich – gerade mit Blick auf individuelle Ziele wie zum Beispiel:

  • Dokumentation und Optimierung der Prozesse, ggf. für ISO-Zertifizierung
  • Effektivitätssteigerung und Kostensenkung
  • Umsetzung von Geschäftsprozessen als IT-Lösung
    • Vermeidung von Medienbrüchen durch integrierte Frontends
    • Ausführbarkeit und Automatisierung
  • Agilität zur schnellen und flexiblen Anpassung an geänderte Bedingungen
  • Gewinnung von Prozesslaufzeitinformationen zur Optimierung
    • Anzahl Ressourcen, Durchlauf- und Liegezeiten, Fehlerquoten oder Anzahl von Rückläufern
    • Kundenzufriedenheit
    • Einhaltung von Regeln (Compliance)
    • Defizite der Ablauflogik bzw. Geschäftslogik

Ein Reifegradmodell kann Unternehmen zur Festlegung der Ziele und konkreter Maßnahmen dienen. Ggf. ist eine Beratung durch einen Dienstleister hilfreich. Zur Umsetzung der Maßnahmen sind ein einheitliches Vorgehen in Form eines Geschäftsprozessmanagements sowie einheitliche Standards für das Design und die technische Ausführung von Geschäftsprozessen notwendig. Als moderne Notation bietet sich beispielsweise die Business Process Modeling and Notation (BPMN) an.  

 

Was ist die Business Process Modeling und Notation (BPMN)?

Für die Dokumentation und die Ausführung von Geschäftsprozessen bietet BPMN eine einheitliche Beschreibungssprache, mit der Fachabteilungen und IT-Mitarbeiter Geschäftsprozesse gemeinsam erstellen können. Dies bietet grundsätzlich die Möglichkeit, die zeitintensive, zweifache Dokumentation eines Geschäftsprozess in fachlicher und technischer Variante zu vermeiden und einen gemeinsamen Stand weiterzuentwickeln.


Zielsetzungen der BPMN sind

  • eine gut verständliche, standardisierte, grafische Notation zur Beschreibung von Geschäftsprozessen und zur Beschreibung des Nachrichtenaustausches zwischen Prozessbeteiligten
  • sowie die direkte Ausführbarkeit in einer BPMN-Laufzeitumgebung (business process engine)

 

BPMN-Abbildung 1: Shipment Process of a Hardware Retailer (OMG: BPMN 20 by example)

BPMN-Abbildung 1: Shipment Process of a Hardware Retailer (OMG: BPMN 20 by example)

 

Prozessdiagramme werden als Business Process Diagrams (BPD) bezeichnet. Diese beinhalten hauptsächlich eine zeitlich-logische Abfolge von Aktivitäten.

Geschäftsprozesse werden in sogenannten Schwimmbahnen (swimlanes) innerhalb eines Schwimmbeckens (Pool) abgebildet, um Aufgaben bestimmten Personen, Rollen, Verantwortlichkeiten oder Organisationsstrukturen zuzuweisen. Kernelemente sind weiterhin Aktivitäten, Ereignisse und Entscheidungen (Und, Oder XOR, …).

Im Unterschied zu anderen Notationen wie beispielsweise der Ereignisgesteuerten Prozessketten (EPK, ARIS) sind die Elemente für eine Ausführung in einer Business Process Engine optimiert.

Die Einbindung von Webservices ist Bestandteil des Standards BPMN 2.0. Obwohl die Anzahl der Standardelemente bereits beeindruckend ist, können eigene Elemente abgeleitet und mit spezifischer fachlicher oder technischer Bedeutung versehen werden.

Prozessdiagramme sind per BPMN-XML-Format toolübergreifend austauschbar.
 

Laufzeitumgebungen für BPMN

Gegenüber Standardprodukten bieten BPMN-Laufzeitumgebungen von Open-Source-Produkten den Vorteil, eine Geschäftsprozesssteuerung als Komponente flexibel in bestehende Architekturen integrieren und diese auch austauschen zu können.
Stand Sommer 2012 sind die 4 bekanntesten und verbreiteten Produkte Activiti, Bonita, Intalio BPMS und jBPM. Bis auf Intalio BPMS unterstützen alle Produkte die BPMN Version 2.0 (betrifft insbesondere den Umfang an Elementen) und den Import und Export von Prozessdiagrammen im BPMN-XML-Format. Unterschiede bestehen im Umfang zur Verfügung stehender Design- und Administrationstools, generierbarer Benutzeroberflächen und vorgefertigter Schnittstellen zur Anbindung vorhandener Datenquellen und Standardsysteme.

Beispielsweise bietet Activiti auf Fachabteilung und Entwickler spezialisierte Design-Tools. Intalio verfolgt das Prinzip des Zero-Coding, indem umfangreiche Tool-Funktionen für das Design von Geschäftsprozessen und Schnittstellen bereitstehen, die nur geringe technische Vorkenntnisse voraussetzen, aber auch nur begrenzt erweitern werden können.

Alle Produkte sind ebenfalls als kostenpflichtige Enterprise Edition mit erweitertem Funktionsumfang und Support des Herstellers erhältlich.

Das neueste Produkt ist das im Jahr 2010 von den Firmen Alfresco und Spring Source bereitgestellte Produkt Activiti, das als einziges der vier genannten Produkte vollständig neu auf Basis der BPMN entwickelt wurde. Die aktuelle Version 5 knüpft technisch an jBPM3 an. Die anderen Produkte setzten zur Laufzeit bisher noch BPEL oder ein eigenes Format ein. Ein detaillierter Vergleich ist im BPMN Whitepaper von Agon Solutions einsehbar.

 

Vorgehensmodell im Geschäftsprozessmanagement

Für die Einführung eines Geschäftsprozessmanagement hat sich ein Regelkreis zur permanenten Optimierung von Geschäftsprozessen als strukturierte Projektvorgehensweise (Roundtrip-Engineering) bewährt:


 
Abbildung 2: Beispielhaftes Phasenmodell im Geschäftsprozessmanagement

Abbildung 2: Beispielhaftes Phasenmodell im Geschäftsprozessmanagement

 


Ähnlich einem Projektvorgehensmodell werden mehrere Phasen durchlaufen:

  • Erhebung des bestehenden –Ist-Prozesses (Aufgaben, Reihenfolge, beteiligte Rollen und Systeme)
  • Analyse der Schwachstellen
  • Konzeption des Sollprozesses und Abgrenzung gegen andere Prozesse. Ggf. Prüfung der Prozessziele durch Simulation und Prozesskostenrechnung.
  • Umsetzung (organisatorisch, technisch) des Prozessmodells in eine maschinenlesbare Form und Detaillierung (Fehlerfälle, technische Schnittstellen, Versionierung, etc.)
  • Einsatz im laufenden Betrieb, Monitoring und Controlling

Fragen Sie unseren Experten

Jochen Kirchner
Projektmanager
it-consulting@agon-solutions.de